Ein ganzheitlicher Anspruch prägt die moderne Ergotherapie. Er fordert einen Blick auf den gesamten Menschen – körperlich, kognitiv und emotional. Digitale Technologien wie Virtual Reality (VR) erweitern diesen Ansatz zunehmend. In einem aktuellen Anwendervideo zeigt die Ergotherapeutin Simone Lambert exemplarisch, wie sich Virtual Reality (VR) strukturiert und praxisnah in den Therapiealltag integrieren lässt. Sie ist leitende Ergotherapeutin im Team des ATZ Ambulantes Therapie Zentrum Witten.
VR in der Ergotherapie: Zwischen Entspannung und Aktivierung
„Wir setzen die VR-Brille gezielt zur Entspannung, Tonusregulierung, aber auch Aktivierung […] ein“,
beschreibt Frau Lambert den therapeutischen Einsatz. Die Technologie wird dabei nicht isoliert genutzt, sondern in bestehende Behandlungskonzepte eingebettet.
Auffällig ist der flexible Einsatz je nach Therapieziel
„Es richtet sich […] nach den unterschiedlichen Bedürfnissen der Klienten, nach der therapeutischen Zielsetzung und auch […] nach den jeweiligen Krankheitsbildern.“
Dies verdeutlicht, dass der Einsatz der VR-Brille eine klientenzentrierte und individualisierte Therapie ermöglichen kann.
Mobiler Einsatz erweitert Versorgungsrealität
Ein weiterer Aspekt ist die Mobilität der Lösung. Simone Lambert schätzt den handlichen Koffer, in dem das Headset verpackt ist.
„Man kann ihn sehr schön mit zu Hausbesuchen nehmen. Auch Patienten, die gar nicht zu uns in die Praxis kommen […] können […] profitieren.“
Gerade im Kontext einer alternden Gesellschaft und steigender Nachfrage nach ambulanter Versorgung gewinnt dieser Punkt in Therapie und Pflege an Bedeutung. VR-Anwendungen ermöglichen hier eine niedrigschwellige Erweiterung therapeutischer Angebote.
Neuroplastizität gezielt fördern
Neben der Entspannung spielt die aktivierende Komponente eine zentrale Rolle. Simone Lambert betont:
„Durch die spielerische Gestaltung der virtuellen Umgebung bewegen sich die Patienten […] aktiv in alle Richtungen. […] Durch die gezielte Wiederholung der Bewegungsabläufe wird die Neuroplastizität angeregt […] vor allem im Bereich der Schlaganfallpatienten, aber auch der Parkinson-Patienten.“
Studien deuten darauf hin, dass immersive Virtual-Reality-Anwendungen Motivation, Engagement und Trainingsintensität fördern können – Faktoren, die als wichtige Voraussetzungen für motorisches Lernen gelten.*
Motivation als therapeutischer Hebel
Ein häufig unterschätzter Faktor in der Rehabilitation ist die Therapietreue. Hier zeigt sich ein weiterer Vorteil:
„Die Patienten haben sehr viel Freude daran. Die virtuelle Umgebung schafft einen anderen Aufforderungscharakter“,
wie Frau Lambert es formuliert – und damit eine höhere intrinsische Motivation im Vergleich zu klassischen Übungssettings.
Virtual Reality als Ergänzung etablierter Verfahren
Vor diesem Hintergrund lässt sich der Einsatz von VR als konsequente Weiterentwicklung bestehender Methoden einordnen. Anwendungen wie das Medical VR System von Magic Horizons bieten derzeit über 126 virtuelle Umgebungen zur Schmerz-, Angst- und Stressreduktion. Neu hinzugekommen ist u.a. die Anwendung „Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson“ (März 2026), die eine strukturierte, leitliniennahe Entspannungsintervention in immersiver Form ermöglicht.
Fazit: Digitalisierung im Dienste der Ganzheitlichkeit
Das Anwendervideo von Frau Lambert zeigt exemplarisch, wie digitale Technologien sinnvoll in bestehende Therapiekonzepte integriert werden können – ohne den Kern der Ergotherapie zu verändern. Im Gegenteil: Der klassische 360°-Blick wird durch Virtual Reality erweitert. Nicht als Ersatz, sondern als Werkzeug. Nicht als Selbstzweck, sondern zur Verbesserung von Therapieergebnissen.
Praxisbericht von Simone Lambert – Link zum Youtube Video: zum YouTube Video
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* Quelle: Sveistrup H. Motor rehabilitation using virtual reality. J Neuroeng Rehabil. 2004 Dec 10;1(1):10. doi: 10.1186/1743-0003-1-10. PMID: 15679945; PMCID: PMC546406.







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